Die Rhein-Neckar-Zeitung berichtete am 29.12.2009

Im Aufsatzband des Heimatvereins Kraichgau steht sachliche Kritik an „Heilbronner Land"-Schildern

Kraichgau stiftet gewachsene Identität

Eppingen. (ibe) „Heilbronner Land - Kritische Anmerkungen zu dem neu gegründeten Touristik-Verband" heißt der Text-Beitrag, den Bernd Röcker im neu erschienenen 21. Aufsatzband des Heimatvereins Kraichgau veröffentlicht hat.

Bereits vor mehr als einem Jahr waren an allen Zufahrtsstraßen zum Landkreis Heilbronn die Begrüßungsschilder „Willkommen im Heilbronner Land" vom gleichnamigen Touristikverband aufgestellt worden. Gerade im westlichen - und ursprünglich badischen - Teil des Landkreises hatte es Proteste gegeben. Zudem waren die Schilder mehrfach beliebte Opfer von Zerstörungsaktionen oder Scherzen in der Nacht zum ersten Mai geworden.

„Auf eine sachliche und wissenschaftliche Ebene" möchte der Autor Bernd Röcker seine Kritik gestellt wissen. Der Heimatverein Kraichgau habe sich bisher „bewusst zurückgehalten, um die Stimmung nicht noch weiter aufzuheizen".

Grund für seine Anmerkungen in einem heimatkundlichen Buch ist unter anderem die Befürchtung, dass der Touristikverband Heilbronner Land „bereits bestehende landschaftsbezogene Touristikverbände der Region schwächt". Drei Gemeinden hätten, um. nicht doppelte Beiträge zahlen zu müssen, deshalb den Touristikverband Kraichgau-Stromberg verlassen.

Als Heimatforscher: und Geschichtslehrer im Ruhestand äußert Röcker jedoch stärkere Bedenken gegen den Begriff „Heilbronner Land", Der Unmut im westlichen Kreisgebiet und den angrenzenden Gemeinden habe sich vor allem daran entzündet. „Dies ist kein historisch gewachsener Begriff sondern eine Wortneuschöpfung", die vorgaukle, dass es sich „um eine alte Geschichtslandschaft wie zum Beispiel das Hanauer Land" handele.

Doch „historisch betrachtet ist der Kraichgau ein sehr heterogenes Gebilde", unterstrich Röcker und nannte nebelnden ehemals badischen Gemeinden auch Orte, die der Kurpfalz, Reichsritterschaften oder dem Stift Odenheim gehörten. Die Schilder, an denen sich die Gemüter erhitzten, erinnerten jeden Autofahrer, dass diese Gemeinden „von der alten Geschichtslandschaft Kraichgau getrennt und einer bis jetzt nur auf dem Papier stehenden geographischen Einheit zugeschlagen wurden".

Unverständnis äußerte Bernd Röcker gegenüber der Tatsache, dass man nicht wie bei anderen Kreisen üblich ein Schild mit „Es grüßt Sie der Landkreis Heilbronn" aufgestellt habe, denn dass man im Landkreis Heilbronn lebe, sei unstrittig.

Seine Befürchtungen, dass mit dem neuen Begriff sich auch die Identifikation der Kraichgauer ändern werde, begründete er am Beispiel der Gemeinden im Leintal, das geographisch eindeutig zum Kraichgau gehöre. Die Menschen verstünden sich inzwischen als „Leintäler". Auf längere Sicht würde sich auch in diesen als Heilbronner Land vereinnahmten Gemeinden das Zugehörigkeitsgefühl ändern.

Röcker sieht diese Entwicklung als Entwicklung gegen den Trend, da sich in den letzten Jahren verstärkt Wirtschaft, Gemeinden und Kultureinrichtungen mit dem Kraichgau identifizierten. Schulen, Hallen, Banken oder Getreide würde inzwischen danach benannt. „Es wäre bedauerlich, wenn der vom „Heilbronner Land" reklamierte Teil des Kraichgaus von dieser positiven Entwicklung abgekoppelt würde", schloss Röcker.

 

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