Die Rhein-Neckar-Zeitung berichtete am 28. August 2018:

Verzögerung bringt Aktualität

Heimatverein Kraichgau stellte seinen 25. Band vor
Doris Ebert gibt die Schriftleitung ab

Gemmingen. (db) Darauf haben heimatkundlich interessierte Leser schon lange gewartet. Jetzt ist er da, der 25. Band in der Reihe „Kraichgau - Beiträge zur Landschafts- und Heimatforschung“. Im Alten Rathaus in Gemmingen wurde das neue Werk im charakteristisch blauen Hardcovereinband vom Heimatverein Kraichgau als Herausgeber vorgestellt.

Das Buch wurde dem langjährigen Vereinsvorsitzenden und heutigen Ehrenvorsitzen des Vereins, Bernd Röcker, gewidmet. Am 304 Seiten umfassenden Werk haben 23 Autoren und Heimatforscher mitgewirkt. Eigentlich sollte der Band schon Ende 2017 fertiggestellt sein, doch die Verzögerung hatte auch positiven Aspekt: Es konnten aktuelle Forschungsergebnisse einfließen, auf deren Publikation man sonst bis Ende 2019 hätte warten müssen.

Bürgermeisterstellvertreterin Gabriele Walch hieß zur Buchvorstellung im Ratssaal zahlreiche Mitglieder des Heimatvereins Kraichgau sowie einige interessierte Besucher willkommen. Sie skizzierte in ihren Grußworten die historische Entwicklung der Gemeinde Gemmingen, deren Ursprung in einer römischen Siedlung vermutet wird, bis hin zur modernen Wohngemeinde mit heute 5149 Einwohnern. Vereinsvorsitzender Alfred Götz erinnerte daran, dass das erste Buch dieser heimatkundlichen Forschungsreihe im Jahr 1968 aufgelegt wurde. Er dankte insbesondere der 90-jährigen Schriftleiterin Doris Ebert, die für die organisatorische Zusammenstellung der letzten elf Bände verantwortlich zeichnete.

Der nun vorliegende 25. Band war die letzte Ausgabe, an der sie federführend als Schriftleiterin, aber auch als Autorin, mitgewirkt hat. Götz überreichte der rüstigen Mitstreiterin einen Blumenstrauß und gab bekannt, dass die Schriftleitung künftig nur durch ein Team zu ersetzen sei.

Doris Ebert stellte im Anschluss die Inhalte des Bandes vor. So wurde bei Ausgrabungen am Steinsberg bei Sinsheim überraschend Neues gefunden, was unter der Rubrik Burgen, Herrschaft und Familien von den Autoren Ludwig H. Hildebrand und Nicolai Knauer in einer farblich bebilderten Dokumentation beschrieben wird. Die Grabungen sind aktuell aber noch nicht abgeschlossen. Die Rubrik Geologie und Archäologie beinhaltet unter anderem einen Beitrag von Peter Kirchner zur Natur- und Kulturlandschaftsentwicklung am Beispiel der Gemarkung Angelbachtal.

Einen besonderen Part nimmt das Thema Reformation im neuen Band ein. Hier wird von Peter Beisel der Aufbruch im Kraichgau in eine neue Zeit geschildert. Zudem befasst sich Doris Ebert als Autorin mit dem Thema Frauen in der Reformation. Besonders herausstechend sind zwei Beiträge zum Thema Ortsgeschichte in der Region. So berichtet Wolfgang Ehret auf 21 Seiten vom Gemminger Hexenprozess von 1563. Nicht so weit zurück liegt dagegen ein Stück Sulzfelder Wirtschaftsgeschichte, die Kurt R. Moser beschreibt, denn von 1914 bis 1948 gab es eine Zigarrenfabrik in der Ravensburggemeinde.

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Die Kraichgau-Stimme berichtete:



Streifzug durch die Geschichte

Heimatverein Kraichgau stellt Jubiläumsband vor, an dem 20 Autoren geschrieben haben
Doris Ebert in den Ruhestand verabschiedet

Von Nicole Theuer

GEMMINGEN Was lange währt, wird endlich gut. Unter diesem Motto präsentierte der Heimatverein Kraichgau im Rathaus sein 25. Jahrbuch mit Beiträgen zur Landschafts- und Heimatforschung. Der Termin fand etwas später als geplant statt.

Alfred Götz, der Vorsitzende des Heimatvereins, verabschiedete zudem Doris Ebert, die langjährige Schriftleiterin, in den Ruhestand. Nach über einem Vierteljahrhundert in dieser Position möchte die 90-Jährige das anspruchsvolle Amt in jüngere Hände legen. Zukünftig soll sich einmöglichst fünfköpfiges Gremium die Arbeit des Schriftleiters teilen. Doch seitens des Vereins ist man noch immer auf der Suche nach zwei, drei Freiwilligen. In ihren letzten Band steckte Ebert wieder viel Arbeit und Mühe. Rund 20 Autoren trugen zum Gelingen des Buches bei: 24 Artikel umfasst das knapp 300 Seiten starke Werk.

Kelter Sulzfeld Eifrigster Autor war der Sulzfelder Kurt Moser, der gleich mit sechs Beiträgen vertreten ist. Von den ,,Anmerkungen zu den Reformationsfeiern in Sulzfeld“, über die ,,Zigarrenfabrikation in Sulzfeld“ bis hin zum „kulturhistorischen Sündenfall“ ist das Betätigungsfeld des Kunsthistorikers gestreut. Als ,,kulturhistorischen Sün denfall“ bezeichnet Moser den Verfall und späteren Abriss der alten Kelter in Sulzfeld. Moser, profunder Kenner der Historie seiner Heimatgemeinde, beschreibt in seinem Artikel, wie das Gebäude, das Mitte, Ende des 18. Jahrhunderts errichtet wurde, immer weiter dem Verfall preisgegeben wurde. Obwohl das bereits Ende der 60er-Jahre unter Denkmalschutz gestellt, sei für seinen Erhalt nichts getan worden. Das Gebäude wechselte mehrmals den Besitzer.

„Ende 1978 bekundete ein Karlsruher Investor sein Interesse, die Kelter zu erwerben und instand zu setzen“, schreibt Moser. Einige Monate später bekundete der damalige Verwalter der Gölerschen Besitztümer ebenfalls Interesse am Erwerb des Gebäudes und des Grundstücks, allerdings nur dann, wenn das Gebäude aus der Denkmalliste gestrichen würde.“ Obwohl es weitere Kaufinteressenten, die auch den Erhalt des Kulturdenkmals planten, gab, schritt der Verfall voran. „Für die Erhaltung der Kelter war es zu diesem Zeitpunkt schon viel zu spät, zu groß waren die willkürlich herbeigekhrten Schäden“, informiert Moser in seinem Artikel. Den endgültigen Todesstoß versetzte dem Gebäude, das der Eigentümer für die Entnahme von Baumaterial freigegeben hatte, eine ,,Übung“ der Freiwilligen Feuerwehr. Dabei wurden die Dachziegel mit Wasserdruck entfernt. „Nun war auch der Dachstuhl den UnbilIen des Wetters ausgesetzt“, erinnert sich Kurt Moser.

Hexenprozess Mit einem wesentlich grausameren Thema der Heimatgeschichte befasste sich der Gemminger Wolfgang Ehret, der zum Hexenprozess geforscht hat. ,,Im Gemminger Hexenprozess von 1563 wird der Vorwurf des mehrfachen Schadenszaubers erhoben“, erzählt Ehret, „das Opfer war Anna Schwäblin, die zunächst als Klagerin gegen ihre Nichte Margaretha Staiger auftritt und behauptet, als Hexe bezeichnet worden zu sein.“

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