Die Rhein-Neckar-Zeitung berichtete am Donnerstag, 15. Mai 2014

Freunde des Vereins besichtigten das 900 Jahre alte Gotteshaus

Der Heimatverein ging in der Klosterkirche auf Entdeckungsreise.

Lobbach-Lobenfeld. (tri) Im historischen Kloster trafen sich rund 20 Freunde des Heimatvereins Kraichgau.

Die im romanischen Stil erbaute, nahezu 900 Jahre alte Klosterkirche ist ein beliebtes Ausflugsziel, das manche von ihnen schon kannten, einige aber zum ersten Mal betraten. Das Kloster lädt ein zum Durchatmen. Rund um das, auf einem kleinen Hügel thronende, Gotteshaus, weht noch heute der Wind der Jahrhunderte.

Unter schattigen Bäumen begrüßte der Vereinsvorsitzende Anton Machauer die kleine Gesellschaft, die die gute Landluft sichtlich genoss. Man saß auf Sandsteinbänken, lauschte dem Plätschern der Brunnenanlagen und genoss den Blick auf einen blühenden Klostergarten, auf gelbe Rapsfelder und Wiesen, Oder auf den Gutshof mit alten Scheuern, auf satten  Weiden mit grasenden Schafen, Pferden und Kühen. Eine Meditation.

Aus der Zeit .der Gründung um 1145, als Frauenkloster durch Augustiner  Chorherren aus Frankenthal in der Pfalz, hat sich dieses vor einigen Jahren frisch herausgeputzte Ensemble aus Kirche, Vorplatz, Klostermauern und Garten eine angemessene Spiritualität bewahrt.

Das ursprüngliche Wohngebäude der Nonnen und Mönche existiert nicht mehr, auch gibt es darüber keinerlei Urkunden. Das bedauert Doris Ebert. Sie über nahm das Zepter mit dem Gang durch die ehemalige Klosterkirche St. Maria zu Lobenfeld am Nordfenster.

Fachlich gezielte Fragen zeigten nicht nur großes Interesse der Besucher an diesem Kleinod, sondern auch deren Wissen um die Geschichte von Klöstern und Kirchen im Kraichgau. Mit Doris Ebert hat der Heimatverein Kraichgau ein langjähriges, in vielen Bereichen aktives Mitglied beziehungsweise Ehrenmitglied sowie eine kompetente Schriftleiterin. Dass die Klosterkirche eigentlich ihr „Wohnzimmer“ ist, mag sie nicht gern hören. Also kann man durchaus formulieren, dass ' das Gotteshaus ihr Forschungsgebiet, ein Lebensinhalt und eine Leidenschaft ist.

Sie hat dieses durch seine einmaligen Wandbilder berühmte Kulturgut gemeinsam mit Friedrich Krämer und vielen Mitstreitern erst aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Vor 40 Jahren kam sie mit ihrer Familie nach Lobenfeld und fand in der Geschichte der Klosterkirche eine unerschöpfliche Aufgabe, neben politischen und weiteren ehrenamtlichen Engagements im Dorf. Seither geht die inzwischen 86Jährige nimmermüde auf Entdeckungsreise in den alten Klostermauern.

Die Ehrenbürgerin von Lobenfeld erzählte der Gruppe auch von fortwährenden, wissenschaftlich geführten Diskussionen über die restaurierten Wandbilder an der Südwand des Chorraums mit den Darstellungen der Martinslegende.

Hier gäbe es neue Erkenntnisse, die noch nicht veröffentlicht wurden. Die barocke Dickelorgel, beschriftete Grabsteine und immer wieder das spätgotische Langhaus sind spannende Themen. „Das, was im Langhaus passiert ist, das war wirklich abenteuerlich", schmunzelte sie mit dem Hinweis auf das neue Büchlein ,,Metamorphosen". Das Langhaus war Tabakscheuer und Schafstall und von den romanischen Ostteilen im eigentlichen Kirchengebäude durch eine Mauer abgetrennt dem völligen Verfall anheim gegeben. Im Jahr 1997 wurde es nach aufwendiger Restaurierung und Modernisierung wieder eingeweiht.

 

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