Die Rhein-Neckar-Zeitung berichtete am 7. Oktober 2008

Heimatverein Kraichgau war in Obergimpern unterwegs:
Infos zu Ortsherrschaft, Bauten und Kirche

Auf der Spur der verschwundenen Wasserburg

Von Ira Betz

Bad Rappenau-Obergimpern. Pflastersteine des 21. Jahrhunderts, sonst nichts war zwischen der katholischen Kirche und deren Kindergarten zu entdecken, was auf eine Wasserburg im alten Obergimperner Ortskern hinwies. „Obwohl nichts mehr zu sehen ist, gibt es doch einiges über die Burg zu sagen", erklärte Dr. Hans Heinz Hartmann vom Heimatverein Kraichgau.

Rund 40 Zuhörer waren bei der Führung zum Schloss, zur evangelischen Kirche und dem dahinter liegenden alten Hirschhorn'schen Amtshaus dabei. Neben dem Bad Rappenauer Heimatforscher referierten Rudolf Petzold und Dr. Walter Schmütz. Ortwin Gabel, ehemals Ortsvorsteher, berichtete den Gästen aus vielen Teilen des Kraichgaus über die Entwicklung des Ortes in den letzten Jahrzehnten.

An der großen Handelsstraße zwischen Prag und Paris gelegen, bot Obergimpern vielleicht auch für Siegfried von Strahlenburg, einem der Besitzer der Wasserburg, einen attraktiven Standort. Eine alte Urkunde, so Hans Heinz Hartmann, sei erhalten geblieben und so wisse man, dass dieser die Burg 1368 an den Pfalzgrafen Rudolf verkaufte. Als weiteren Hinweis auf einen Adelssitz weist eine Kachel aus dem Jahr 1588 hin. „Solch einen Ofen konnte sich die Landbevölkerung niemals leisten" so Hartmann. Man habe sich am offenen Feuer gewärmt.

Die Lehensträger der Kurpfalz - die Reichsgrafen von Yrsch und von Wiser - bestimmten lange das Schicksal des Ortes, erklärte Rudolf Petzold. Gräfin Ursula von Yrsch-Pienzenau lebt noch heute am Ort. Nachdem die Familie lange Zeit in Mecklenburg gelebt hatte, war sie am Ende des Krieges geflüchtet - zurück zu den Obergimperner Wurzeln. Forstmann Götz von Bülow hatte es nach dem Krieg ebenfalls an den Ort verschlagen. Er heiratete Luitgard, die Tochter des Grafen Wilhelm von Yrsch. Heute wohnen deren Sohn Wolf-Dieter von Bülow und seine Familie im Neuen Schloss.

Dr. Walter Schmütz lebt heute bei Stuttgart. Er erzählte am Eingang des Schlosses: „Vor 75 Jahren und vier Wochen bin ich gut 70 Meter von hier im Pächterhaus zur Welt gekommen". Der Heimatforscher und ehemalige Leiter der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim wuchs als Sohn des Schlossgutpächters in Obergimpern auf. Er berichtete von seinen privaten Forschungen zur hier vermuteten Villa Rustica aus römischer Zeit. Vielleicht, so Schmütz, habe hier irgendwo auch eine keltische Wohnanlage gestanden.

In der 1764 erbauten Kirche berichtete Albrecht Hupp, dass unterhalb der heutigen Sakristei alte Gräber gefunden worden waren.

 

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