Die Rhein-Neckar-Zeitung berichtete am 3. September 2007

 

„Die Gedanken sind frei" war die Parole

„Revolutionärer" Rundgang befasste sich mit Franz Sigel, Gustav Mayer, den Laubinger-Söhnen und aufmüpfigen Liederkranz-Sängern

Von Martin Stock

Sinsheim. „Der General und Revolutionär Franz Sigel schlägt die Brücke von Sinsheim nach New York", sagte Christine Friedrich, die Vorsitzende des Vereins „Freunde Sinsheimer Geschichte" bei einer Stadtführung am Samstagnachmittag, die neben den allgemeinen geschichtlichen Erläuterungen insbesondere „revolutionäre Tendenzen und Subjekte" im Blick hatte. Bernd Röcker, der Vorsitzende des Heimatvereins Kraichgau, konnte zahlreiche Interessierte zu diesem Stadtrundgang begrüßen, und weitere stießen noch während der Führung dazu. Christine Friedrich zeigte sich zusammen mit ihrem Ehemann Holger Friedrich, dem Stadtarchivar und Leiter des Stadtmuseums, als kompetentes und auskunftsfreudiges Duo.

Franz Sigel war einer der bedeutendsten Streiter für die Freiheit in Baden während der Revolutionsjahre 1848/49 und wurde am 18. November 1824 in Sinsheim geboren. Er war Kriegsminister und Befehlshaber über die badische Revolutionsarmee. Nachdem die Demokratiebewegung in Deutschland niedergeschlagen wurde, emigrierten er und viele andere aus Baden und auch aus Sinsheim nach Amerika. Sigel kämpfte im Unabhängigkeitskrieg als General an der Seite der Nordstaaten für seine Ideale. 1902 starb Sigel in New York. In verschiedenen Städten der Vereinigten Staaten erinnern heute noch Standbilder an den Sinsheimer Freiheitskämpfer. In Sinsheim weist eine schlichte Steintafel auf sein Geburtshaus hin.

Neben Sigel haben die Sinsheimer Friedrich Hecker, Gustav Mayer, Karl Bauer und Eduard Speiser für die Freiheiten den deutschen Gauen gekämpft.

Ihrem Einsatz ist die „Freiheitssäule" vor dem alten Rathaus und heutigen Stadtmuseum gewidmet. Hier in diesem Gebäude trafen sich die Revolutionäre und Gleichgesinnte. Und hier war es auch, wo der Apotheker Gustav Mayer am 24. April 1848 die demokratische Republik in Baden ausrief und wo im Bürgersaal der „Liederkranz" das verbotene Lied als Parole sang: „Die Gedanken sind frei". Die Zuhörer erfuhren von Christine und Holger Friedrich auch manche Anekdote und Geschichte, die so in keinem Geschichtsbuch zu finden ist; zum Beispiel, dass die Müller-Familie Laubinger mit einer Einquartierung von Soldaten für die revolutionären Umtriebe ihrer Söhne büßen musste.

Fachwerkhäuser und Wirtshausschilder, Denkmäler und Brücken, Baustile und Straßennamen wurden von den kundigen Führern genutzt, um die Geschichte Sinsheims als blühende Reichsstadt und als ein Zentrum im Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit lebendig werden zu lassen - mitten im Alltagsbetrieb einer modernen Stadt.

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