„Geheimnisse“ und „Vicus Senotensis

Exkursion des Heimatvereins Kraichgau e.V. nach Remchingen-Wilferdingen

Von Anton Machauer

 

Trotz nicht gerade einladendem Wetter waren ca. 40 Personen der Einladung des Heimatvereins „Den Kraichgau kennen(zu)lernen“ zu einer Exkursion nach Wilferdingen gefolgt. Werner Kröner, alteingesessener Wilferdinger und Kenner der Geschichte und Geschichten des Ortes erklärte, dass wenig Bausubstanz aus der Zeit vor 1700 im Ort vorhanden sei. Grund seien die Folgen des sog. Pfälzischen Erbfolgekriegs, der  hier im Ort zur Zerstörung nahezu aller Gebäude durch die Truppen Melacs geführt habe. Auch habe Wilferdingen immer wieder unter von Frankreich her durch plündernde Soldaten zu leiden gehabt. Man sei in diesen Zeiten zusammengerückt. Zwei der noch aus der Zeit stammenden Gebäude bergen heute noch ein „Geheimnis“. Dabei handelt es sich um einen zwischen den Mauern befindlichen Geheimgang, der vom Obergeschoss bis in den Keller führt. Der Zugang war über eine Klapptür zu erreichen gewesen, die wiederum durch darauf gestapeltes Brennholz oder Möbel getarnt gewesen war. Die Teilnehmer konnten sich durch das Entgegenkommen der Hauseigentümerin, Hildegard Kern, selbst von der Enge dieses „Geheimnisses“ überzeugen.

Ein weiteres Relikt, eine so genanntes Rauchhaus konnte nicht besichtigt werden. Dabei handelt es sich um ein damals kaminloses Gebäude mit offener Feuerstelle, von welcher der Rauch über eine Öffnung ins Gebälk und durch die Ziegel entwich. Die Balken seien immer noch teer- und rußgeschwärzt, erklärte Werner Kröner.

Viele der im Ort befindlichen Fachwerkgebäude seien noch verputzt oder verkleidet. An den freigelegten Fachwerken könne man aber erkennen, dass sie im 18. Jahr­hundert errichtet worden sind, wie Anton Machauer, stellv. Vorsitzender des Heimatvereins Kraichgau, erklärte. Barocke Fachwerk-Zierformen wie die K-Strebe reden hier eine deutliche Sprache. Er wies auch auf die noch zahlreichen steinernen Kellerschieber hin, die andernorts meist verschwunden sind.

Eine Scheune in der Kirchstrasse birgt eine andere Besonderheit. Im 19. Jahrhundert waren in dieser Scheune russische Soldaten und die Pferde der Russen untergebracht. Einer dieser Soldaten hat mit einem Seitenmesser oder ähnlichem sich „verewigt“, wie die russischen Schriftzeichen von nahezu einem Meter Länge in einem Balken eingehauen zeigen. Eine Übersetzung der Zeichen durch einen Fachmann war nicht möglich. Kommentar: Derjenige muss stockbesoffen gewesen sein!

Eine 1842 gefundene Weiheinschrift für Jupiter gibt Kunde vom „Vicus Senotensis“, einer ehemaligen römischen Siedlung bei Wilferdingen, einer der wenigen namentlich bekannten Siedlungen. Sie lag im Gebiet der Civitas (Gebietskörperschaft) von Aquae (Baden-Baden). Über diese Art ländliche Siedlungen im südwestdeutschen Raum ist bislang relativ wenig bekannt, so Dr. Günther Wieland vom Landesdenkmalamt, der den Exkursionsteilnehmern in der Kulturhalle einen Überblick über die Ausgrabung in diesem Raum gab. Insbesondere die Aufmerksamkeit und das Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter Helmut Bischoff, Werner Kröner und Helene Schwarz müsse hervorgehoben werden.

Ein Teil der Funde wird im Foyer der Kulturhalle in einer kleinen Ausstellung gezeigt und dokumentiert den derzeitigen Stand der Erforschung des Vicus Senotensis. Ein von Dr. Wieland kommentiertes Video, gefilmt von Klaus Kussmaul, über die Ausgrabungen 2002 dokumentierte, dass in nachrömischer Zeit durch umfassende Erosionsvorgänge das Landschaftsrelief verändert wurde. Bei dem wegen seiner exponierten Lage dabei weitgehend zerstörte Hauptgebäude hat dabei mittelalterlicher und neuzeitlicher Steinraub zu weiterem Substanzverlust geführt. Als Folge dieser Erosion sei das nur wenige Meter tiefer am Hang gelegene Wirtschaftsgebäude so tief unter abgeflossenem Material begraben, dass es sehr viel besser erhalten sei. Die Gemeinde plane diese Gebäudereste aus römischer Zeit zu sichern und zunächst zu  überdachen. Später soll sich ein kleines Museum anschließen.

 

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