Die Jöhlinger Werke des Hofbildhausers Joachim Günther

Der Heimatverein Kraichgau auf Exkursion in Walzbachtal–Jöhlingen

Von Marco Keller

Die erste Exkursion im Oktober führte den Heimatverein Kraichgau in die Gemeinde Walzbachtal. Im Ortsteil Jöhlingen konnten rund 30 Gäste zur Veranstaltung, die sich der Geschichte der Gemeinde Walzbachtal, Jöhlingens und dem Leben und den Werken des Hofbildhauers Joachim Günther widmete, begrüßt werden.

Nach einführenden Worten vom stellvertretenden Bürgermeister Gerhard Kirchgäßner und von Anton Machauer, Mitglied des Heimatvereins Kraichgau und Vorstandsmitglied, über die Entstehung der Gemeinde Walzbachtal im Jahre 1971, aus den Dörfern Wössingen, Jöhlingen, und dem Weiler Binsheim folgte ein geschichtlicher Überblick der einzelnen Gemeindeteile. So erfuhren die Anwesenden unter anderem von, in Wössingen in den Jahren 1837 und 1893-94, gemachten Funden, aus römischer Zeit. Neben 30 erhaltenen Tongefäßen wurden dabei die Grundmauern einer Villa Rustika und eines römischen Kellers freigelegt, der 1967 nach einer spektakulären Bergungsaktion mittels Tieflader nach Karlsruhe ins dortige Landesmuseum transportiert wurde und jetzt dort zu bestaunen ist.

Diese Funde aus römischer Zeit und die bei Untersuchungen zweier bronzezeitlicher Grabhügel südöstlich von Wössingen zu Tage geförderten Fundstücke, deuten auf eine Besiedelung des oberen Walzbachtals schon in früher Zeit hin, obwohl eine erste urkundliche Nennung Jöhlingens aus dem Jahre 1024 datiert. Hierbei geht es um eine Schenkung des salischen Königs Konrad II an die speyerische Domkirche, ein gewisses Gut im Dorf namens Jöhlingen betreffend.

Nach dieser Einführung in die Geschichte der Gemeinde Walzbachtal und speziell des Ortsteils Jöhlingen, startete der Rundgang durch diesen vor der katholischen Kirche „St. Martin“ und führte als erste Station zur „Alten Schule“, die bis 1806 als Speyerisches Amtsgebäude diente. In der Durchfahrt befindet sich eine Inschriftentafel, die ehemals über dem Hauptportal, dieses, wie darauf zu lesen ist, im Jahre 1450 durch Johannes Flach von Schwarzenberg erbauten Speyerischen Herrenhofs, angebracht war. Dieser im Jahre 1571 durch Otto von Abamelunxen um einen Flügel erweiterte Herrenhof musste 1966 einem Schulneubau weichen. Während der Abbrucharbeiten stieß man auf ältere Gebäudefundamente die, nach deren Freilegung durch das Staatliche Amt für Denkmalpflege, als Reste eines Friedhofes sowie dreier Kirchen identifiziert  und ins 8. bis 9. Jh. datiert wurden. Eine Gedenktafel vor dem Schulneubau erinnert an diesen sensationellen Fund der, entgegen den Anregungen des Amtes für Denkmalpflege, nicht wie in Ladenburg geschehen, offen gehalten und zugänglich gemacht, sondern überbaut wurde.

Weiter ging der Rundgang am Rathaus, in dem früher die örtliche Kelter untergebracht war und das nach diversen Nutzungsänderungen nun als Wohnhaus genutzt wird, vorbei zum Kreuz auf dem Brunnenstein am Kirchplatz. Das Kreuz, das bis in die siebziger Jahre an der Straße beim „Badischen Hof“ stand und Teil eines Tränkbrunnens war, wurde, da der Sockel an ursprünglicher Stelle verblieb, am jetzigen Standort auf einem neuen Sockel aufgestellt. Dieser Sockel trug einst das Eichmaß, einen kupfernen Kessel mit einem Volumen von 1 Ohm entsprechend 150 Liter.

Die nächste Station war der 1577 erbaute Speyerer Pfleghof, der als einzige erhaltene fränkische Hofanlage der Gemeinde, als historisches Zeugnis anzusehen ist. Die dreiseitig geschlossene Hofanlage, bestehend aus Haupthaus mit fünf Fachwerkstöcken, hiervon drei Dachstöcke, Scheune und Nebengebäuden hat schon Emil Lacroix in seinem Buch „Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Karlsruhe“ erwähnt. Vom heute von der Gemeindeverwaltung u. a. als Gemeindebücherei, dem Altenkreis, dem Kindergarten und von den Vereinen genutzten Anwesen, ging es zurück zur Katholischen Kirche.

Dort wurden wir von Pfarrer Karlheinz Speckert zur Besichtigung erwartet, die Anton Machauer mit einem Vortrag über das Leben und die Werke Joachim Günthers begleitete. Am 3. März 1720 in Tritschenkreuth geboren, begann er wohl wie zu dieser Zeit üblich im 14. Lebensjahr seine Lehrzeit, wofür es, genauso wie für den in Frage kommenden Lehrmeister bisher keine Belege gibt. Auch der weitere Werdegang Günthers ist nur anhand von Vergleichen mit Künstlern dieser Zeit zu ergründen. So dürfte sich nach einer etwa vierjährigen Lehrzeit, die zur Selbständigkeit nicht ausreichte, eine Zeit der Wanderschaft, mit Beschäftigungen bei verschiedenen Meistern angeschlossenen haben. Nachdem er sich 1747 selbständig gemacht hatte, folgten mehrere Stationen seines Schaffens, Lindgraben, Horgauergreuth (Kreis Augsburg), Bruchsal, u. a., bis er etwa 1784 die Jöhlinger Altäre angefertigt haben dürfte.

Das aus 35 Einzelteilen bestehende Gesamtwerk Günthers, wovon nur noch 13 erhalten blieben, ist größtenteils durch Urkunden zu belegen und kann in zwei Typengruppen, die Ziboriumaltäre und die Retabelaltäre, eingeteilt werden. Nur die Altäre der St. Peterkirche in Bruchsal und der Martinskirche in Jöhlingen sind in unveränderter Form erhalten geblieben und bilden ein Denkmal für das Schaffen des Joachim Günther.

Der als Ziboriumsaltar ausgeführte Hauptaltar der Jöhlinger Kirche wurde so in den Polygonalchor eingefügt, dass das Licht effektvoll durch die Chorfenster, besonders dem auf Höhe des Altarbaldachins liegenden Rundfenster, eintritt und die zentrale Figurengruppe beleuchtet. Diese die Martinslegende darstellende Szene, bei der, der Heilige zu Pferde seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilt, ist hier als Freiplastik ausgeführt. Die beiden, den Hauptaltar flankierenden, geraden Retabelaltäre stehen rechts und links an der zwischen Chor und Langhaus eingezogenen Wand .

Beide sind vom Aufbau her gleich und unterscheiden sich nur durch ihre zentrale Figur, rechts die „Maria Immakulata“ und links die „Heilige Katharina von Alexandrien“. Das Werk Günthers erfuhr durch den Heimatverein Kraichgau und den Vortrag durch Anton Machauer, die Beachtung die ihm gebührt. 

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